Wiener Zeitung review of "you're lucky to even know me" June 2002

Testosteron mit Telefon

Von Claudia Aigner

Ihr könnt euch glücklich schätzen, dass ihr überhaupt etwas von mir lesen dürft! Pardon. Aber Selbstbewusstsein ist so ansteckend. (Und ab und zu eine Überdosis Eigenlob zu schlucken, ist sowieso nur reiner Selbsterhaltungstrieb.) “You’ re lucky to even know me” (ihr habt Glück, mich überhaupt zu kennen): Ein süffisanter Ausstellungstitel. Hanna Stippl, der Kuratorin, müsste man eigentlich schon das Ego “auspumpen”, so kurz vor dem Größenwahn. Aber sie meint’s ja nicht so beinhart arrogant. Noch bis 5. Juli stellt man in der IG Bildende Kunst (Gumpendorfer Straße Nr. 10-12) interessante Dinge mit der Trivialkultur an.
Beim Crashtest werden bekanntlich Unfälle, die für den Straßenverkehr zugelassen sind, auf eine Knautschzone losgelassen. Wenn nun Jonathan Podwil einen Werbespot in ein perfekt gealtertes filmisches Wrack verwandelt (voll mit nostalgisch pittoreskem Flackern) und da ausgerechnet die Unfalltauglichkeit einer speziellen Automarke demonstriert wird, dann ist das durchaus subversiv. Noch dazu, wo man den Dummy, der ja nur den Führerschein für Frontalzusammenstöße besitzt, nicht mehr als solchen erkennt. Da denkt man jetzt wohl weniger an die Lebensqualität namens Mobilität, als daran, dass das Auto halt eine ziemlich beliebte Todesursache ist.

Erschienen am: 28.06.2002

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